Als Ehepaar zusammen arbeiten – Fluch oder Segen?

Wie alles begann
Wir sind seit 2005 ein Paar und seit 2010 verheiratet, haben jeweils einen Sohn und leben somit in einer Patchwork-Familie. Lutz ist seit 1994 in der Baubranche tätig. Begonnen hat Lutz als Technischer Kaufmann. Mit viel Wissensdurst, Ehrgeiz, Leidenschaft und Lust auf Handwerk erarbeitete er sich in vorherigen Fliesenleger-Betrieben die Positionen als Prokurist und Geschäftsführer.

Ich war in meinen über 30 Berufsjahren in ganz unterschiedlichen Unternehmen, Bereichen und Positionen, teilweise mit Personalverantwortung, tätig. Unternehmerisches Denken und Handeln war mir in all meinen Jobs wichtig. Egal ob ich im Back Office, in der Organisation, im Marketing oder im Vertrieb tätig war.

Der Schritt in die Selbstständigkeit – gemeinsam ans Ziel
Die Göttling Fliesentechnik GmbH wurde von Lutz im März 2013 gegründet. Die Firma lief sehr gut an und die Einstellung von weiterem Personal stand an. Und damit stellte sich die Frage: Warum nicht an einem Strang ziehen und das Unternehmen gemeinsam nach vorn bringen? Es hat ein wenig gedauert, bis ich mich entschlossen habe, mit in die Firma einzusteigen. Im Januar 2015 begann ich mit einem etwas mulmigen Gefühl meine Arbeit im Innendienst.

Die Baubranche war mir bis dato fremd. Schnell merkte ich jedoch, hier kann ich etwas bewegen, meine Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen und es gibt viel Potenzial für Veränderung. Digitalisierung, Marketing, interne Organisation und Kommunikation, Themen, die nicht direkt mit dem Verlegen von Fliesen zu tun haben, jedoch für die Entwicklung eines Unternehmens von ebenso großer Bedeutung sind.

Der Unterschied bei einer gemeinsamen Zusammenarbeit in einem Unternehmen
Vorab: es ist nicht immer einfach, doch beginnen wir mit dem Positiven. Beide Partner kennen die Arbeit des Anderes, den beruflichen Alltag und sind sich der Verantwortung für das Unternehmen und die Mitarbeiter bewusst. Das schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Man lernt den Partner von der beruflichen Seite kennen. Diese kann manchmal ganz anders aussehen, als die private. Und man verbringt viel Zeit miteinander. Man kann am Abend nachvollziehen, warum die Stimmung beim anderen vielleicht einmal nicht so toll oder eben besonders gut ist, da man um die Geschehnisse in der Firma weiß.

Zusammenarbeit als Paar – Harmonie pur oder Potenzial für Konflikte
Die Schwierigkeit ist, eine Grenze zu ziehen zwischen Arbeit und Freizeit. Man muss schon sehr diszipliniert sein und sich miteinander absprechen. Oft sind es nicht nur Probleme, die man besprechen möchte, sondern man hat neue Ideen und Impulse und möchte diese dem anderen natürlich gern sofort mitteilen. Das endet dann schnell in einem mehrstündigen Gespräch im Wohnzimmer auf der Couch oder im Urlaub, was sich um das Unternehmen und die Arbeit dreht. Andere Themen und das Abschalten vom beruflichen Alltag kommen somit oft zu kurz. Wir haben seit kurzem eine Abmachung, am Sonntag ist das Thema Firma tabu.

Außerdem möchte jeder seine Themen durchsetzen und übersieht somit manchmal die Prioritäten des anderen. Und es ist sicherlich nicht ganz einfach, wenn beide Partner „Alpha- Menschen“ sind. Es bedarf das Arbeiten an sich und seiner Persönlichkeit und einer Menge Reflektion, um die nötige Harmonie zu erhalten.

Wann man genau hinsehen und hinhören sollte
Es lässt sich das eine oder andere Mal nicht vermeiden, dass es Streit oder Unstimmigkeiten gibt. Sich im gemeinsamen Büro aus dem Weg zu gehen, ist schwierig. Aufmerksam sollte man werden, wenn die schlechte Stimmung anhält, dauerhaft geschwiegen wird oder man sich nicht mehr auf das gemeinsame Ziel besinnen kann. Man sollte immer bedenken, im schlechtesten Fall gehen die Partnerschaft/Ehe UND die Zusammenarbeit zu Ende.

Der Spirale von negativen Schwingungen sollte man entgegen wirken. Probleme oder Unstimmigkeiten lösen sich nicht einfach in Luft auf und müssen mit Respekt gemeinsam in einem konstruktiven Gespräch gelöst werden. Das ist privat so und auch im beruflichen Umfeld nicht anders. Reden auf Augenhöhe hilft.

Ein erfolgreiches Miteinander – privat und beruflich
Ein gesundes Miteinander mit der nötigen Abgrenzung ist die Voraussetzung für erfolgreiches Miteinander. Was heißt gesund? Den anderen seinen Freiraum lassen, die Individualität des anderen sehen und sich mit den Belangen des anderen auseinandersetzen.

Der „Blick über den Tellerrand“ hilft, die Motive für Entscheidungen des Partners zu verstehen. Oft ist man in seinem eigenen Aufgabengebiet gefangen. Andererseits sollte eine klare Aufgabeteilung eingehalten werden. Jeder hat seine Stärken, die man ins Unternehmen einbringen sollte, ohne dem anderen dabei, „auf die Füße zu treten“. Das kann manchmal ein Drahtseilakt sein. Eine bewusste und konstruktive Diskussionskultur hilft, wenn es doch einmal zu einer Krise oder Auseinandersetzung kommt.

Was die freie Zeit betrifft, ist es wichtig, sich auf gemeinsame Aktivitäten zu einigen, die nichts mit der Firma zu tun haben, aber auch freie Zeit für sich einzuräumen, in der man etwas ohne den Partner unternimmt.

Fazit
Neben all den Herausforderungen, die sich aus einer Zusammenarbeit als Paar ergeben, ist es eine tolle Aufgabe, mit dem Menschen, dem man gefühlsmäßig nahe steht, „an einem Strang zu ziehen“, sich für ein gemeinsames Ziel einzusetzen und stolz auf das Erreichte zu sein.

Eine Zusammenarbeit als Paar kann sehr erfüllend und sinnstiftend sein. Man muss jedoch, wie in einer privaten Beziehung auch, stets daran arbeiten. Es lohnt sich!

 

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